Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM)

Langzeitversuche für die Realisierung von Verschlussbauwerken im ERAM
Untertagehalle für Infrastruktur und Lagerung mit Brückenkran
Denkmalgeschützter Förderschacht mit Holzgerüst
Denkmalgeschützte Seilwinde

Mindestens einmal im Jahr führt das Institut für Endlagerforschung eine Exkursion ins Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben in Sachsen-Anhalt durch. Das ehemalige Kali- und Steinsalzbergwerk Bartensleben wurde ab 1897 aufgefahren. Der Abbau von Salzen endete dort 1969. Bereits vier Jahre zuvor wurde das Bergwerk bei Morsleben durch die Staatliche Zentrale für Strahlenschutz (SZS) der DDR als zentraler Standort für die Endlagerung radioaktiver Abfälle ausgewählt. Wichtige Kriterien waren dabei neben dem Wirtsgestein Salz die Größe der verfügbaren Hohlräume und die baldige Nutzbarkeit des Bergwerks. In den Jahren 1972/73 wurde schließlich eine Standortgenehmigung für das Endlager erteilt. Die ersten Abfälle aus dem überfüllten zentralen Zwischenlager der DDR in Lohmen wurden bereits vor dem Beginn des Umbaus des Bergwerks zu einem Endlager 1974 eingelagert, während die eigentliche Betriebsgenehmigung erst 1978/79 erfolgte.

Seit dem 20. Juni 1981 befand sich das Endlager im befristeten Dauerbetrieb bevor knapp fünf Jahre später eine unbefristete Genehmigung erteilt wurde. Eine geplante Erlaubnis zur Einlagerung hochradioaktiver Abfälle erfolgte aufgrund der Wiedervereinigung nicht mehr. Dennoch wurde auch nach 1990 weiter schwach- und mittelradioaktiver Abfall in Morsleben eingelagert. Diese Praxis wurde erst 1998 gerichtlich untersagt und somit gestoppt. Seitdem wird das Endlager, welches heute die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) betreibt, stabilisiert und für den endgültigen Verschluss vorbereitet. Die atomrechtliche Aufsicht führt das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). 2005 reichte das Bundesamt für Strahlenschutz einen Plan zur Stilllegung des ERAM ein. Seitdem wird das Bergwerk offengehalten. Mit der endgültigen Verfüllung ist nicht vor den 2030er-Jahren zu rechnen. Das Verfahren zur Genehmigung der Stilllegung ist derzeit noch nicht abgeschlossen und wird seit 2016 neu organisiert.

In der ersten Einlagerungsphase von 1971 bis Februar 1991 wurden ca. 14.432 m³ schwach- und mittelradioaktiver Abfall sowie 6.227 umschlossene Strahlenquellen mit einer Gesamtaktivität von etwa 290 TBq eingelagert. Der Müll stammt vorwiegend aus den Kernkraftwerken Greifswald und Rheinsberg sowie aus dem Rossendorfer Forschungsreaktor. Hinzu kommen vor allem Strahlenquellen und radioaktive Präparate aus der Radionuklid-Anwendung in Forschung, Medizin und Industrie. Während 40 % der Abfälle in festem Zustand vorliegen (v. a. Mischabfälle und verfestigte Verdampferkonzentrate), sind fast 60 % aus flüssigen Stoffen (ebenfalls Verdampferkonzentrate) zusammengesetzt.

Im Zeitraum von 1994 bis 1998 wurden ungefähr weitere 22.320 m³ radioaktive Abfälle mit einer Gesamtaktivität von 80 GBq α-Strahlern sowie 91 TBq β- und γ-Strahlern in Morsleben eingelagert. Der Abfall stammt aus dem gesamten Bundesgebiet, wobei rund 88 % die Betriebsabfälle aus den stillgelegten Kernkraftwerken der DDR ausmachen. Nur 3 % des Abfalls stammt aus den Landessammelstellen, während weitere 9 % von Forschungseinrichtungen und sonstigen ablieferungspflichtigen Stellen eingelagert worden. Dabei handelte es sich ebenfalls vorwiegend um Mischabfälle, Verdampferkonzentrate, Harze, hochdruckverpresste Abfälle und umschlossene Strahlenquellen.

 

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